Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, ab dem 3. April 2025 Zölle von 25 Prozent auf importierte Automobile zu erheben, hat erhebliche Erschütterungen an den internationalen Finanzmärkten ausgelöst. Besonders hart trifft es europäische Autohersteller, die mit Produktionsverlagerungen und Preiserhöhungen reagieren. Die Unsicherheit wächst zudem angesichts der für den kommenden Dienstag angekündigten „wechselseitigen“ Zölle, die Trump als „Tag der Befreiung“ bezeichnet.
Deutsche Automobilindustrie im Zentrum des Handelskonflikts
Die Ankündigung der Auto-Importzölle hat die Börsen in Europa heftig getroffen. Die Aktien deutscher Hersteller wie Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW wurden besonders in Mitleidenschaft gezogen, mit Kursverlusten, die den europäischen Automobilindex auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2024 drückten. Der Index befindet sich nun in der sechsten aufeinanderfolgenden Verlust-Woche. Die Wolfsburger VW-Gruppe warnte, dass „die gesamte Automobilindustrie sowie die Kunden die negativen Konsequenzen tragen müssen.“
Auch japanische und südkoreanische Autobauer spüren die Auswirkungen deutlich. Fast 3 Billionen Yen (etwa 20 Milliarden US-Dollar) an Marktwert wurden von den drei größten japanischen Herstellern Toyota, Honda und Nissan in nur drei Handelstagen abgezogen. Dies verdeutlicht die globalen Auswirkungen von Trumps handelsprotektionistischer Politik.
Reaktionsstrategien der Automobilindustrie
Die Automobilhersteller stehen nun vor schwierigen Entscheidungen: Sollen sie mehr Produktion in die USA verlagern, die Zollkosten selbst tragen oder an die Verbraucher weitergeben? Volvo Cars, Audi, Mercedes-Benz und Hyundai haben bereits angekündigt, Teile ihrer Produktion zu verlagern. Ferrari, dessen Fahrzeuge ausschließlich in Italien gefertigt werden, plant Preiserhöhungen von bis zu 10 Prozent für bestimmte Modelle.
Interessanterweise zeigt sich Tesla von der Situation weitgehend unbeeindruckt. Die Aktien des texanischen Elektroautoherstellers reagierten kaum auf die Zollankündigungen, da das Unternehmen für den US-Markt hauptsächlich in inländischen Werken produziert und weniger von ausländischen Zulieferern abhängig ist als traditionelle Autobauer.
China bemüht sich um ausländische Investoren
Inmitten der globalen Handelsturbulenzen intensiviert China seine Bemühungen, ausländische Unternehmen zu beruhigen und Investitionen anzulocken. Präsident Xi Jinping traf am Freitag mit rund 40 CEOs globaler Konzerne in Peking zusammen, darunter Führungskräfte von AstraZeneca, FedEx, Saudi Aramco, Toyota und Mercedes-Benz. In der gut 90-minütigen Veranstaltung betonte Xi die Bedeutung ausländischer Unternehmen für die chinesische Wirtschaft.
„Ausländische Unternehmen tragen ein Drittel zu Chinas Im- und Exporten bei, ein Viertel zur industriellen Wertschöpfung und ein Siebtel zum Steueraufkommen, und schaffen mehr als 30 Millionen Arbeitsplätze“, erklärte Xi. Er warnte vor geopolitischen Eingriffen in Investitionsentscheidungen mit den Worten: „Das Ausblasen der Lichter anderer macht einen selbst nicht heller.“
Die Treffen zwischen ausländischen Führungskräften und hochrangigen chinesischen Beamten haben sich im vergangenen Monat intensiviert, nachdem offizielle Daten einen Einbruch der ausländischen Direktinvestitionen um 27,1 Prozent im Jahr 2024 gezeigt hatten – der stärkste Rückgang seit der globalen Finanzkrise 2008.
Währungsmärkte im Wandel: Euro profitiert, Dollar unter Druck
Die handelspolitischen Spannungen wirken sich auch auf die globalen Währungsmärkte aus. Entgegen früherer Markterwartungen, dass Trumps Zollpolitik den Dollar stärken würde, hat die US-Währung in den letzten Monaten nachgegeben. Der Euro nähert sich der Marke von 1,08 Dollar und steuert auf seinen größten vierteljährlichen Anstieg seit über einem Jahr zu – mit einem Plus von mehr als 4 Prozent seit Anfang 2025.
Dieser Anstieg wird durch eine Kombination von Faktoren getrieben: Friedensaussichten in der Ukraine, Dollarschwäche und ein deutlicher Anstieg der deutschen Renditen. Auch der japanische Yen zeigt sich robust mit einem Quartalsgewinn von knapp 4 Prozent. Am besten performten jedoch die skandinavischen Währungen – die schwedische Krone mit einem Jahresplus von etwa 11 Prozent und die norwegische Krone mit fast 9 Prozent.
Die Unsicherheit über Trumps nächste Zollankündigungen bremst jedoch Positionierungen am Devisenmarkt. „Der Markt hat sich neutralisiert, was die Positionierung angeht, und es herrscht eine Abwartehaltung“, erklärt Mahjabeen Zaman, Leiterin der Devisenforschung bei ANZ in Sydney.
Europas Markteuphorie auf dem Prüfstand
Die sogenannte „Europhoria“, die deutsche Aktien zu ihrem besten Quartal seit 2022 und den Euro Mitte März auf ein Fünfmonatshoch getrieben hatte, scheint zu verblassen. Große Vermögensverwalter wie Amundi, Europas größter, haben ihre Wetten auf den Euro zurückgefahren oder bullische europäische Aktiengeschäfte reduziert.
„Wenn die Trump-Administration Handelspartner in einen Handelskrieg drängt, wird das für europäische Aktien bärisch sein“, warnt Benjamin Melman, CIO bei Edmond de Rothschild Asset Management. Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management, ergänzt: „Ich denke, es ist sinnvoll, nicht aus Europa auszusteigen, aber einige Gewinne mitzunehmen. Die einfachen Gewinne sind vorbei.“
Trotz beginnender wirtschaftlicher Erholung in Europa – mit leichtem Wachstum der Geschäftsaktivitäten und Deutschlands Prognose, dass die zweijährige Rezession enden wird – bleibt die Unsicherheit hoch. Der Citi-Überraschungsindex für die Eurozone zeigt zwar seit Anfang Februar positive Werte, aber der separate Index, der misst, ob die tatsächlichen Eurozonendaten über ihrem Einjahres-Durchschnitt liegen, bleibt negativ.
Thailand reagiert auf Handelsbilanzüberschuss mit den USA
Als Reaktion auf handelsrelevante Spannungen strebt Thailand eine Reduzierung seines Handelsüberschusses mit den USA auf 20 Milliarden US-Dollar an, indem es mehr US-Produkte importiert. Passakorn Chairat, Leiter des industriewirtschaftlichen Büros des Industrieministeriums, erklärte, die Regierung werde die Einfuhr von Agrarprodukten wie Mais, Sojabohnen und Ethylen erhöhen, was möglicherweise inländische Produkte beeinträchtigen könnte.
Laut dem thailändischen Handelsministerium belief sich der Handelsüberschuss mit den USA im vergangenen Jahr auf 35,4 Milliarden US-Dollar, während Washington sein Defizit mit Thailand mit 45,6 Milliarden US-Dollar beziffert.
Ausblick: Goldpreis als Krisenbarometer
Die anhaltenden Unsicherheiten an den globalen Märkten spiegeln sich im Rekordlauf des Goldpreises wider. Das Edelmetall hat ein neues Allzeithoch erreicht und hält sich komfortabel über der Marke von 3.000 US-Dollar pro Unze, die Mitte März durchbrochen wurde. Gold ist im Zeitraum Januar bis März um mehr als 17 Prozent gestiegen und steuert auf sein bestes Quartalsergebnis seit 1986 zu.
Während Anleger weltweit die Ankündigungen vom „Tag der Befreiung“ am 2. April mit Spannung erwarten, deuten die Safe-Haven-Flüsse in Gold auf anhaltende Nervosität hin. Die Frage bleibt, ob Trumps Andeutung, die Zölle könnten milder ausfallen als befürchtet, sich bewahrheiten wird – oder ob die Märkte eine unangenehme Überraschung erwartet.