Die globale Finanzlandschaft erlebt im März 2025 zunehmende Turbulenzen, während Präsident Donald Trumps aggressive Wirtschaftspolitik weltweit Märkte in Aufruhr versetzt. Besonders die Ausweitung von Zöllen auf Kanada, Mexiko und China hat erhebliche Auswirkungen auf Börsen, Währungen und Konjunkturerwartungen. An den asiatischen Märkten wurde gestern ein dramatischer Ausverkauf verzeichnet, wobei der Nikkei und taiwanesische Aktien um etwa drei Prozent fielen – der tiefste Stand seit September.
Handelskonflikt löst globalen Börseneinbruch aus
Die Sorge vor einer US-Rezession infolge der eskalierenden Handelskonflikte belastet die Märkte schwer. Der S&P 500 verzeichnete am Montag mit einem Minus von 2,7 Prozent den größten Tagesverlust des Jahres, während der Nasdaq sogar um 4,0 Prozent einbrach – der stärkste Rückgang seit September 2022. Die europäischen Futures deuten auf eine Fortsetzung der Verkaufswelle hin, mit DAX-Futures 0,8 Prozent und Eurostoxx-Futures 0,9 Prozent im Minus.
Prashant Newnaha, leitender Stratege für Zinsen im asiatisch-pazifischen Raum bei TD Securities, analysiert: „Die Märkte haben jetzt verstanden, dass die Regierung entschlossen ist, das Pflaster abzureißen. Zölle und Rezession könnten die Medizin sein, um Disinflation zu erzeugen und die 10-jährige Rendite zu senken. Vorerst ist es ein kontrollierter Abriss.“
Die Verunsicherung wurde verstärkt durch Trumps eigene Äußerungen in einem Fox News-Interview, in dem er von einer „Übergangsphase“ sprach und eine Vorhersage vermied, ob seine Zollpolitik zu einer US-Rezession führen könnte. Die Anleger flüchten in sichere Häfen, wobei der japanische Yen um 0,3 Prozent gegenüber dem Dollar zulegte und den höchsten Stand seit fünf Monaten erreichte. Der Schweizer Franken festigte sich ebenfalls und pendelte um ein Dreimonatshoch.
Makro-Hedgefonds profitieren von der Marktvolatilität
Während die allgemeine Marktsituation herausfordernd bleibt, können einige Marktteilnehmer von der erhöhten Volatilität profitieren. Laut Daten der Hedge-Fonds-Forschungsfirma PivotalPath liegt die breitere Hedgefonds-Branche in diesem Jahr 1,3 Prozent im Plus, doch Makro-Hedgefonds, die auf makroökonomischen Signalen basieren, erzielen deutlich höhere Renditen.
Der Hedgefonds EDL Capital, der mit Vermögenswerten wie Währungen und Anleihen auf Basis globaler makroökonomischer Aussichten handelt, erzielte vom Jahresbeginn bis zum 7. März eine Rendite von fast 17 Prozent. Allein im März legte der von Star-Trader Edouard de Langlade geführte 1,3-Milliarden-Dollar-Fonds weitere 10 Prozent zu.
Auch andere Makro-Hedgefonds zeigen starke Ergebnisse: Caxton erzielte im Februar eine Rendite von 4 Prozent, wodurch die Gewinne für die ersten beiden Monate des Jahres auf 7 Prozent stiegen. Im Gegensatz dazu kämpfen aktienorientierte Hedgefonds mit erheblichen Schwierigkeiten. US-Aktien-Picker beendeten die vergangene Woche mit einer negativen Jahresrendite von 0,5 Prozent.
Japan unter doppeltem Druck
Japan befindet sich in einer besonders schwierigen Lage zwischen Handelskonflikt und innenpolitischen Herausforderungen. Ab Mittwoch sollen neue 25-prozentige Zolltarife auf Stahl- und Aluminiumimporte in die USA in Kraft treten. Der japanische Handelsminister Yoji Muto bat die USA, keine Handelszölle gegen sein Land zu verhängen, konnte jedoch keine Zusicherung erhalten, dass Japan von den Zöllen ausgenommen wird.
„Wir haben vereinbart, enge Konsultationen mit der US-Regierung fortzusetzen und so bald wie möglich Gespräche auf Arbeitsebene zu führen“, erklärte Muto nach Treffen mit US-Handelsminister Howard Lutnick, US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer und dem Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Kevin Hassett.
Parallel dazu kämpft Japan mit steigenden Lebenshaltungskosten. Wirtschaftsminister Ryosei Akazawa betonte am Dienstag, die Regierung werde eng mit der Bank of Japan (BOJ) zusammenarbeiten, um das 2-Prozent-Inflationsziel zu erreichen, während steigende Lebenshaltungskosten die Haushalte belasten. „Steigende Energie- und Lebensmittelkosten belasten Haushalte und Unternehmen, daher müssen wir genau prüfen, wie sich die Verschlechterung der Stimmung der Haushalte auf den Konsum auswirken könnte“, sagte er.
Drastische Kürzungen der US-Regierungsprogramme
Im Rahmen einer aggressiven Initiative zur drastischen Verkleinerung der Bundesregierung und Reduzierung der Staatsausgaben hat das US-Landwirtschaftsministerium zwei Bundesprogramme gestrichen, die jährlich über 1 Milliarde Dollar für Schulen und Lebensmittelbanken bereitstellten, um Lebensmittel von lokalen Farmen und Ranches zu kaufen.
Die School Nutrition Association, die landesweit Kantinenmitarbeiter und -direktoren vertritt, gab bekannt, dass das USDA das 660-Millionen-Dollar-Programm „Local Food for Schools“ für 2025 gestrichen hat. Zudem wurde auch das „Local Food Purchase Assistance Cooperative Agreement Program“ eingestellt, das in diesem Jahr etwa 500 Millionen Dollar zur Unterstützung von Lebensmittelbanken bereitgestellt hätte.
Diese Maßnahmen erfolgen, während Landwirte und Lebensmittelorganisationen in den USA bereits Personal abbauen und Investitionen stoppen, da das USDA andere Zuschüsse und Programme einfriert. Die Situation wird durch die neuen Zölle auf Waren aus Kanada, Mexiko und China verschärft, die Handelskriege mit den größten Abnehmern amerikanischer Agrarprodukte ausgelöst haben.
Indien als Lichtblick in der globalen Wirtschaft
Während die Weltwirtschaft unter zunehmenden Spannungen leidet, zeigt sich in Indien eine positive Entwicklung bei der Inflationsbekämpfung. Die Verbraucherinflation in Indien ist im Februar voraussichtlich unter das mittelfristige Ziel der Reserve Bank of India von 4,0 Prozent gefallen – zum ersten Mal seit sechs Monaten. Eine Reuters-Umfrage unter 45 Ökonomen prognostizierte einen Rückgang der Inflation auf 3,98 Prozent im Februar von 4,31 Prozent im Januar.
Diese Entwicklung wird hauptsächlich auf moderate Preisanstiege bei Lebensmitteln zurückgeführt, die fast die Hälfte des Inflationskorbs ausmachen. „Wir beobachten eine anhaltende Verlangsamung des Anstiegs der Gemüsepreise“, erklärte Gaura Sengupta, Chefökonomin bei IDFC First Bank. „Die andere, noch positivere Tatsache ist, dass wir auch eine Abschwächung der Preise für Hülsenfrüchte und Getreide beobachten, die den am stärksten festsitzenden Teil der Lebensmittelinflation darstellen.“
Die günstige Inflationsentwicklung in Indien stärkt die Erwartungen an eine weitere Zinssenkung im April, nachdem die Zentralbank bereits im Februar eine Senkung um einen Viertelprozentpunkt vorgenommen hatte, um das verlangsamende Wirtschaftswachstum zu unterstützen.
Ausblick: Düstere Wolken am Wirtschaftshimmel
Die Marktreaktionen deuten darauf hin, dass Investoren zunehmend von einer US-Rezession ausgehen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel am Dienstag in den asiatischen Handelsstunden um 5 Basispunkte, nachdem sie in der vorangegangenen Sitzung um 10 Basispunkte gefallen war – der größte Tagesrückgang seit fast einem Monat. Die Rendite zweijähriger Anleihen, die typischerweise mit den Zinserwartungen der US-Notenbank korreliert, fiel um 5 Basispunkte auf ein Fünfmonatstief.
Händler rechnen nun mit Zinssenkungen der Federal Reserve um insgesamt 88 Basispunkte in diesem Jahr, verglichen mit 75 Basispunkten am Montag, wie Daten von LSEG zeigen. Diese Erwartungshaltung spiegelt die wachsende Sorge wider, dass Trumps Handelspolitik die globale Wirtschaft in eine synchronisierte Abschwächung führen könnte.
Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG, fasst die Situation treffend zusammen: „Die Marktstimmung hat sich rasch von Post-Wahl-Optimismus zu ernsthaften Rezessionssorgen gewandelt, angeheizt durch anhaltende politische Unsicherheit und eine kontinuierliche Reihe schwacher Wirtschaftsdaten.“