Trumps Finanzpolitik erschüttert Märkte: Europas neue Sicherheitsstrategien
Steuersenkungen und Zölle beeinflussen Börsengeschehen weltweit, während Europa neue sicherheitspolitische Strategien entwickelt und Technologieaktien unter Druck geraten.
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- Steuerpläne bewegen internationale Aktienmärkte
- Zollpolitik verunsichert Investoren
- Europas Sicherheitsstrategie im Wandel
- KI-Sektor unter Beobachtung
Die globalen Finanzmärkte zeigen sich Anfang 2025 von erheblichen Unsicherheiten geprägt, während Donald Trumps zweite Präsidentschaft bereits deutliche Spuren in der Weltwirtschaft hinterlässt. Am gestrigen Mittwoch reagierten die internationalen Börsen positiv auf die Nachricht, dass das US-Repräsentantenhaus Trumps ambitionierte Steuersenkungspläne im Umfang von 4,5 Billionen Dollar vorangetrieben hat. Der republikanisch kontrollierte Kongress schickte die Haushaltsresolution nun an den Senat, wo ebenfalls mit einer Zustimmung gerechnet wird.
Globale Märkte zwischen Hoffnung und Sorge
„Die Pläne sind hauptsächlich gut für US-Unternehmen“, erklärt Lars Skovgaard, leitender Anlagestratege bei der Danske Bank. „Man erwartet weniger Regulierung und Steuersenkungen. Ich gehe davon aus, dass dies umgesetzt wird und dann positiv für die Märkte sein wird.“
Diese Entwicklungen spiegeln sich bereits in den Kursbewegungen wider: Die europäischen Aktienmärkte legten am Mittwoch den zweiten Tag in Folge zu – der paneuropäische STOXX 600 stieg um 1% auf ein neues Rekordhoch. Auch die wichtigsten Indizes in Frankfurt, Paris und London verzeichneten Zuwächse zwischen 0,7% und 1,7%. Die US-Futures deuteten ebenfalls auf einen positiven Handelstag hin, wobei Nasdaq-Futures um 0,7% und S&P 500-Futures um 0,5% zulegten.
Laut einer Reuters-Umfrage unter Börsenexperten wird der S&P 500 das Jahr 2025 voraussichtlich mit einem Plus von 9% gegenüber dem aktuellen Stand abschließen und bei 6.500 Punkten liegen. Diese Prognose ist seit November unverändert geblieben, obwohl die ersten Wochen des Jahres von erhöhter Volatilität geprägt waren. Bemerkenswert ist, dass 13 von 19 befragten Experten eine Marktkorrektur von mindestens 10% in den kommenden drei Monaten für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich halten.
Politische Unsicherheiten und wirtschaftliche Indikatoren
Für Unsicherheit sorgen insbesondere Trumps zahlreiche Ankündigungen zu Zöllen, Stellenkürzungen und Politikänderungen. Der Präsident hat bereits einen neuen 10-prozentigen Zoll auf alle chinesischen Importe sowie zusätzliche Abgaben auf globale Stahl- und Aluminiumimporte verhängt. Für die kommende Woche sind weitere 25-prozentige Zölle auf Automobilimporte, Halbleiter und pharmazeutische Produkte aus Mexiko und Kanada angekündigt.
„Die Wirtschaft wächst, die Inflation ist hartnäckig, aber deutlich niedriger als noch vor sechs Monaten oder einem Jahr, und die Unternehmensgewinne steigen“, sagt Anthony Saglimbene, Chefmarktstratege bei Ameriprise Financial. „Was diesen Trend gefährden könnte, sind die Zölle. Das ist für uns die größte bekannte Unbekannte für Märkte und Investoren.“
Die jüngsten Wirtschaftsdaten zeichnen ein gemischtes Bild: Das Verbrauchervertrauen in den USA sank im Februar so stark wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr, während die Inflationserwartungen anstiegen. Dies zeigt, dass die Amerikaner zunehmend besorgt über die wirtschaftlichen Auswirkungen von Trumps Politik sind.
Die Baubranche bleibt ebenfalls unter Druck, wie die aktuellen Daten zu Baugenehmigungen zeigen. Mit einem Rückgang von 0,6% verbesserte sich die Situation zwar leicht gegenüber dem Vormonat (-0,7%), bleibt aber weiterhin im negativen Bereich. Die anhaltende Kontraktion deutet auf Gegenwind im Bausektor hin, der die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt beeinträchtigen könnte.
Europäische Reaktionen und Sicherheitspolitik
Die politischen Veränderungen in den USA wirken sich auch auf die europäische Sicherheitspolitik aus. Der britische Premierminister Keir Starmer wird am kommenden Sonntag die Staats- und Regierungschefs Italiens, Deutschlands, Polens und weiterer Verbündeter zu Gesprächen empfangen, um die Reaktion auf Trumps Vorstoß für Frieden in der Ukraine zu erörtern. Dieser Gipfel findet kurz nach Starmers entscheidenden Gesprächen mit Trump in Washington statt, bei denen der britische Regierungschef hofft, durch sein Versprechen zur Erhöhung des Verteidigungshaushalts die engen Beziehungen zwischen den beiden Verbündeten zu bewahren.
Trump hat mit seiner scheinbar ukrainefeindlichen Haltung im Russland-Ukraine-Konflikt und seiner Aufforderung an Europa, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen und mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit zu übernehmen, viele europäische Partner überrascht. Der französische Präsident Emmanuel Macron traf Trump bereits Anfang dieser Woche, um ihn davon zu überzeugen, kein überhastetes Waffenstillstandsabkommen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu schließen und Europa sowie die Ukraine in den Prozess einzubinden.
Wirtschaftliche Ausblicke und Markttrends
Analysten erwarten für 2025 ein Gewinnwachstum des S&P 500 von 11,1%, verglichen mit 11,7% im Jahr 2024. Trotz des holprigen Starts ins Jahr 2025 wird der S&P 500 mit dem etwa 22-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, was deutlich über dem 10-Jahres-Durchschnitt von etwa 18 liegt.
Besonders interessant für Investoren dürfte der Quartalsabschluss des KI-Vorzeigeunternehmens Nvidia sein, der am heutigen Abend erwartet wird und möglicherweise Aufschluss über die Nachfrage geben könnte, die die hohen Bewertungen im Technologiesektor rechtfertigen würde. „Dieser Ergebnisbericht betrifft nicht nur Nvidia“, betont Jacob Falkencrone, globaler Leiter der Anlagestrategie bei Saxo. „Es geht darum, ob die KI-Revolution ihr atemberaubendes Tempo beibehalten kann.“
Die Skepsis der Investoren ist in den letzten Wochen gewachsen, nachdem US-Technologieunternehmen Milliarden in KI-Infrastruktur gesteckt haben, die langsame Renditen bringen, während gleichzeitig Durchbrüche beim chinesischen Unternehmen DeepSeek verzeichnet wurden. Einige der beliebtesten KI-Aktien Europas fielen diese Woche, nachdem ein Analystenkommentar auf eine mögliche Verlangsamung der Rechenzentrumsanmietung durch Microsoft hingewiesen hatte.
Positive Signale aus anderen Wirtschaftsräumen
Während die USA und Europa mit Unsicherheiten kämpfen, zeigen sich in anderen Wirtschaftsräumen positivere Signale. Die niederländische Wirtschaft, die fünftgrößte im Euroraum, wird laut dem Wirtschaftspolitikberater CPB im Jahr 2025 voraussichtlich stärker wachsen als bisher angenommen. Das Wachstum wird nun mit 1,9% prognostiziert, eine Verbesserung gegenüber der September-Prognose von 1,5%. Für 2026 bleibt die Wachstumsprognose bei 1,5%.
Auch die brasilianische Wirtschaft überraschte positiv: Lateinamerikas größte Volkswirtschaft schuf im Januar fast dreimal so viele formelle Arbeitsplätze wie erwartet. Nach Angaben des Arbeitsministeriums wurden netto 137.303 formelle Arbeitsplätze geschaffen, weit mehr als die von Ökonomen prognostizierten 48.000. Besonders bemerkenswert ist, dass der Industriesektor mit 70.428 neuen Stellen den normalerweise führenden Dienstleistungssektor übertraf.
Ausblick: Zwischen Wachstumschancen und Risiken
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Finanzmärkte ihre Widerstandsfähigkeit beibehalten können. Kristina Hooper, globale Chefmarktstrategie bei Invesco in New York, erwartet, dass der S&P 500 das Jahr bei 6.360 Punkten beenden wird, warnt aber: „Diejenigen mit kurzfristigem Horizont könnten durch die Volatilität etwas verunsichert werden. Wir haben einfach so viele Unbekannte zu Beginn des Jahres 2025.“
Während Trumps Steuersenkungspläne und Deregulierungsmaßnahmen potenzielle Wachstumsimpulse bieten, bedrohen seine Zollpolitik und isolationistische Haltung in internationalen Konflikten die globale wirtschaftliche Stabilität. Europäische Länder sehen sich gezwungen, ihre Sicherheits- und Wirtschaftspolitik anzupassen, um weniger abhängig von den USA zu sein.
Für Anleger bedeutet dies, dass sie sich auf erhöhte Volatilität einstellen und ihre Portfolios diversifizieren sollten. Finanzwerte bleiben eine der Top-Sektorempfehlungen für 2025, teilweise aufgrund der Aussichten auf Deregulierung unter Trump. Die Entwicklungen im Technologiesektor, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz, werden weiterhin genau beobachtet, da sie maßgeblich für die Marktdynamik sein könnten.