Handelskrieg verschärft sich: Globale Märkte im Tarif-Schock

Die verschärften Handelskonflikte zwischen den Großmächten belasten die Finanzmärkte erheblich. Experten prognostizieren anhaltende Volatilität und erhöhte Wirtschaftsrisiken.

Kurz zusammengefasst:
  • Zentralbanken unter wachsendem Handlungsdruck
  • Währungsmärkte verzeichnen heftige Schwankungen
  • Fiskalische Gegenmaßnahmen dringend gefordert
  • Politische Spannungen verschlimmern Wirtschaftslage

Die globalen Finanzmärkte befinden sich im April 2025 in einem Ausnahmezustand, nachdem die Trump-Administration weitreichende Zölle verhängt hat. Die als „Liberation Day“ bezeichnete Maßnahme vom 2. April brachte mindestens 10% Zoll auf alle in die USA importierten Waren sowie deutlich höhere Abgaben für Handelspartner wie China und die EU. Die Folge: ein weltweiter Börseneinbruch, der Rezessionsängste schürt und die Zentralbanken unter Druck setzt. China hat bereits mit Vergeltungszöllen von 34% auf US-Waren reagiert, während die EU ebenfalls Gegenmaßnahmen ankündigt – eine gefährliche Eskalationsspirale nimmt Fahrt auf.

Märkte im Ausverkauf, Analysten warnen vor tieferem Fall

Investoren erleben turbulente Zeiten mit einem dramatischen zweitägigen Ausverkauf an den US-Börsen. Das Analysehaus MRB Partners warnt, dass trotz der bereits erfolgten „beträchtlichen Korrektur“ der eigentliche Test für Risikoanlagen noch bevorstehe. „Das risikoaverse Investitionsklima wird anhalten, während die Gefahren für das globale Wachstum durch den eskalierenden Handelskrieg zunehmen“, erklärte MRB in einem aktuellen Bericht.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle dürften in den kommenden Monaten deutlich sichtbar werden. Unternehmen werden voraussichtlich Einstellungen und Investitionen zurückfahren, was Haushaltseinkommen und -ausgaben belasten könnte. Gleichzeitig werden Kostenerhöhungen an die bereits unter Inflation leidenden Verbraucher weitergegeben. Laut JPMorgan ist das Rezessionsrisiko für dieses Jahr auf 60% gestiegen: „Trumps Politik wird bei Beibehaltung wahrscheinlich die US- und möglicherweise die globale Wirtschaft in diesem Jahr in eine Rezession treiben.“

Währungsmärkte im Aufruhr – Deutsche Bank warnt vor Dollar-Vertrauenskrise

An den Devisenmärkten führte der Zollschock zu heftigen Ausschlägen. Der US-Dollar erholte sich am Freitag gegenüber Euro und Yen, nachdem Fed-Chef Powell die inflationären Risiken der Zollpolitik betonte und einen vorsichtigen Ton bezüglich künftiger Lockerungen anschlug. Der Dollar-Index stieg um 0,98% auf 103, nachdem er am Vortag um 1,9% eingebrochen war – sein schlimmster Tag seit November 2022.

Besonders dramatisch traf es den australischen Dollar, der auf ein Fünfjahrestief gegenüber dem Greenback fiel und mit einem Wochenverlust von 4,42% den stärksten Rückgang seit März 2020 verbuchte. Als liquider Stellvertreter für den Yuan steht der Aussie unter besonderem Druck durch die chinesischen Vergeltungsmaßnahmen. Auch der neuseeländische Dollar verlor stark an Wert.

Die Deutsche Bank warnte bereits vor einer möglichen Vertrauenskrise im US-Dollar. Größere Verschiebungen bei Kapitalflüssen könnten fundamentale Währungsfaktoren überlagern und ungeordnete Währungsbewegungen auslösen, so die Besorgnis der Analysten.

Geldpolitik allein kann wirtschaftlichen Schaden nicht abwenden

Die Märkte preisen mittlerweile vier Zinssenkungen der Fed für den Rest des Jahres ein. Doch laut Deutsche Bank kann die Geldpolitik allein den wirtschaftlichen Schaden nicht eindämmen. „Dies ist ein von der Trump-Administration verursachter fiskalischer Schock mit US-Zentrum, und es ist die Fiskalpolitik, die ihn rückgängig machen kann“, argumentieren die Analysten. „Zentralbanken können helfen, aber die Fed ist viel stärker eingeschränkt, da die USA im Epizentrum des negativen Angebotsschocks mit einem starken Inflationsanstieg stehen.“

Anstatt sich ausschließlich auf Zinssenkungen zu verlassen, fordert die Bank dringende fiskalpolitische Maßnahmen, um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern – etwa direkte Zahlungen an von Zöllen besonders betroffene Haushalte oder rückwirkende Steuersenkungen in einem kommenden Gesetzespaket. „Die republikanische Führung muss ein viel größeres Gefühl der Dringlichkeit vermitteln, das Fiskalpaket voranzutreiben“, kritisierten die Analysten Finanzminister Scott Bessent für das Fehlen entsprechender Maßnahmen nach der Zollankündigung. „Bis zum Sommer zu warten – wie sie kommunizieren – könnte zu spät sein.“

Politische Spannungen verschärfen die Wirtschaftskrise

Die Handelsspannungen fallen in eine Zeit zunehmender politischer Polarisierung in den USA. Senator Ted Cruz, normalerweise ein treuer Trump-Unterstützer, äußerte ungewöhnlich deutliche Bedenken hinsichtlich der Zollerhöhungen. In seinem am Freitag veröffentlichten Podcast warnte er vor „enormen Risiken“ für die US-Wirtschaft und möglichen negativen Auswirkungen auf die Chancen der Republikaner bei den bevorstehenden Zwischenwahlen.

Der texanische Senator befürchtet, dass flächendeckende Zölle zu Arbeitsplatzverlusten und erheblichen Schäden für die US-Wirtschaft führen könnten. Texas, das etwa 16% des US-Handels abwickelt – mehr als jeder andere Bundesstaat –, ist laut Federal Reserve Bank of Dallas besonders anfällig für einen durch erhöhte Zölle verursachten Abschwung.

Parallel dazu eskalieren die rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und den Bundesstaaten. Ein Bundesrichter entschied am Freitag, dass die Trump-Administration gegen eine Gerichtsverfügung verstoßen hat, indem sie die Auszahlung von Hunderten Millionen Dollar an FEMA-Zuschüssen an die Bundesstaaten stoppte. Richter John McConnell stellte sich auf die Seite der demokratischen Generalstaatsanwälte und ordnete an, den Überprüfungsprozess sofort einzustellen.

In einem weiteren juristischen Rückschlag erlaubte der Oberste Gerichtshof der Regierung jedoch, mit Millionenkürzungen bei Lehrerausbildungsprogrammen fortzufahren – Teil des Vorgehens gegen Diversity-, Equity- und Inclusion-Initiativen (DEI).

Fehlinformationen und Marktmanipulation verschärfen die Situation

Inmitten der Marktturbulenzen sah sich Berkshire Hathaway gezwungen, „falsche“ Berichte in sozialen Medien zu dementieren, nachdem Trumps Account auf Truth Social ein Video geteilt hatte, das andeutete, Warren Buffett unterstütze die Wirtschaftspolitik des Präsidenten. Das Video behauptete, Trump lasse absichtlich die Märkte abstürzen, um die Fed zu Zinssenkungen zu zwingen und Aktien für Mittelschicht-Investoren erschwinglicher zu machen.

„Es gibt derzeit Berichte in sozialen Medien (einschließlich Twitter, Facebook und TikTok) über angebliche Äußerungen von Warren E. Buffett. Alle diese Berichte sind falsch“, erklärte Berkshire in einer Stellungnahme. Buffett selbst sagte gegenüber CNBC, es sei wichtig, Fehlinformationen schnell zu widerlegen, und dass er bis zur Berkshire-Jahreshauptversammlung am 3. Mai in Omaha, Nebraska, mit niemandem über Märkte, Wirtschaft und Zölle spreche.

Ausblick: Langanhaltende Marktunsicherheit erwartet

Marktexperten rechnen mit anhaltenden Turbulenzen. MRB Partners empfiehlt Anlegern, ein unterdurchschnittliches Risiko-Exposure beizubehalten und in Multi-Asset-Portfolios Cash zu übergewichten. „Globale Aktien stehen vor weiterem Abwärtspotenzial, da Unternehmensgewinne nach unten korrigiert werden“, warnt MRB und fügt hinzu, dass US-Aktien aufgrund ihrer höheren Bewertungen besonders anfällig seien.

„Das Investitionsklima wird in naher Zukunft und wahrscheinlich über die nächsten 6-12 Monate angesichts der potenziellen globalen Wachstumsfolgen von US-Zöllen und allgemeiner politischer Unsicherheit herausfordernd bleiben“, so die Analysten. Die Flucht in sichere Häfen dürfte Staatsanleihen stützen, aber dies werde vorübergehend sein, da der stagflationäre Druck durch Zölle „die fundamentale Attraktivität“ von Anleihen langfristig schwächen könnte.

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, insbesondere mit Blick auf anstehende Inflationsindikatoren, die zeigen werden, wie stark sich die Preise für Waren und Dienstleistungen für Verbraucher verändern. In dieser volatilen Phase stellen Analysten die Frage, ob fiskalpolitische Maßnahmen rechtzeitig kommen werden, um eine drohende Rezession abzuwenden oder ob die Weltwirtschaft in einen längeren Handelskrieg mit unabsehbaren Folgen schlittert.