Kurz zusammengefasst:
  • Neue US-Zölle belasten Weltmärkte
  • Währungen volatil, Dollar profitiert stark
  • China erwägt umfangreiche Wirtschaftsstimuli
  • Indien zeigt robusteres Wirtschaftswachstum

Die jüngste Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, zusätzliche Zölle auf Importe aus China, Kanada, Mexiko und der EU zu erheben, hat die globalen Finanzmärkte erschüttert und wirft einen Schatten auf die wirtschaftlichen Aussichten für 2025. Während der Handelskrieg eskaliert, müssen sich Länder weltweit auf neue ökonomische Realitäten einstellen und ihre Wachstumsstrategien überdenken.

Trumps Zolloffensive versetzt Märkte in Aufruhr

Am Donnerstag verkündete Trump, dass ab dem 4. März ein zusätzlicher Zoll von 10% auf chinesische Waren erhoben wird, zusätzlich zu den bereits im Februar verhängten 10%. Dies würde einen kumulativen Zoll von 20% bedeuten. Gleichzeitig sollen Importe aus Kanada und Mexiko mit 25% belastet werden – früher als ursprünglich angekündigt. Auch für die Europäische Union sind Zölle in Höhe von 25% geplant.

Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten. Asiatische Aktienmärkte verzeichneten deutliche Verluste, wobei Japans Nikkei um 2,4% einbrach, Südkoreas Kospi um 1,8% fiel und Australiens Leitindex um 0,9% nachgab. Chinesische Aktien zeigten sich mit Verlusten von 0,3% bis 1,0% vergleichsweise widerstandsfähig. Europäische Börsenfutures deuten auf einen schwächeren Handelsstart hin, während der S&P 500 in den USA bereits am Vortag um 1,6% nachgegeben hatte.

China unter Druck: Konsumprogramme als Antwort auf Handelskonflikte

Chinesische Wirtschaftsdaten deuten auf anhaltende Schwierigkeiten hin. Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe dürfte im Februar mit 49,9 Punkten den zweiten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten liegen, wie eine Reuters-Umfrage unter Ökonomen ergab. Dies unterstreicht die Herausforderungen für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, die bereits mit einer schwachen Binnennachfrage kämpft.

Um gegenzusteuern, könnte Beijing auf der kommenden Parlamentssitzung ab dem 5. März umfangreiche Stimulusmaßnahmen ankündigen. Erwartet wird eine Ausweitung des Haushaltsdefizits auf 4% des BIP und die Ausgabe von Sonderanleihen im Rekordvolumen von 3 Billionen Yuan (etwa 413 Milliarden Dollar). Ein erheblicher Teil dieser Mittel könnte für Konsumsubventionen verwendet werden, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln und die Abhängigkeit von Exporten zu verringern.

Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen zeigt sich am Beispiel der 31-jährigen Coco Wen aus China, die zwar dank staatlicher Subventionen ein iPhone zu zwei Dritteln des Originalpreises kaufen konnte, gleichzeitig aber bei anderen Ausgaben wie Restaurantbesuchen spart. „Die Ausgabegewohnheiten unserer Familie haben sich dahingehend geändert, dass wir nur noch das Nötigste kaufen“, erklärte Wen, die nun statt auswärts zu essen zu Hause kocht.

Währungsmärkte reagieren: Dollar profitiert, Gold unter Druck

Während die Aktienmärkte leiden, erreicht der US-Dollar neue Mehrwochenhochs gegenüber seinen wichtigsten Handelspartnern. Der Dollar-Index notierte bei 107,20, nachdem er zuvor den höchsten Stand seit dem 19. Februar erreicht hatte. Der Euro fiel zeitweise auf 1,0389 Dollar, den tiefsten Stand seit dem 13. Februar.

Als sichere Häfen profitierten hingegen der japanische Yen und der Schweizer Franken. Der Yen stieg um 0,3% auf 149,34 pro Dollar, während der Schweizer Franken leicht auf 0,8986 pro Dollar zulegte.

Die Rohstoffmärkte zeigten ein gemischtes Bild: Gold notierte bei 2.880 Dollar pro Unze, nahe dem Zweiwochentief vom Vortag. Die Ölpreise hielten sich dagegen weitgehend stabil, nachdem sie am Donnerstag deutlich zugelegt hatten – eine Reaktion auf Trumps Entscheidung, Chevrons Lizenz für Venezuela zu widerrufen.

Asiens Volkswirtschaften im Fokus: Unterschiedliche Ausgangspositionen

Die Auswirkungen des Handelskonflikts treffen die asiatischen Volkswirtschaften unterschiedlich hart. Japans Industrieproduktion sank im Januar wie erwartet um 1,1%, während die Einzelhandelsumsätze im Jahresvergleich um 3,9% zulegten – der stärkste Anstieg seit Februar 2024. Die Bank of Japan hatte im vergangenen Monat ihren kurzfristigen Leitzins auf 0,5% angehoben, den höchsten Stand seit 17 Jahren.

In Südkorea werden die Exporte im Februar voraussichtlich um 3,8% steigen, nach einem Rückgang von 10,2% im Januar. Allerdings ist diese positive Entwicklung hauptsächlich auf zusätzliche Arbeitstage zurückzuführen. Auf arbeitstagebereinigter Basis gingen die Ausfuhren in den ersten 20 Tagen des Monats um 2,7% zurück, was auf eine abnehmende Exportdynamik hindeutet.

„Die Exportdynamik wird sich angesichts des Abwärtsdrucks durch einen eskalierenden Handelskrieg während Trumps zweiter Präsidentschaft weiter abschwächen“, prognostiziert Chun Kyu-yeon, Ökonomin bei Hana Securities.

Immerhin kann Südkorea auf positive Entwicklungen bei seinem nationalen Pensionsfonds verweisen, der 2024 eine Rekordrendite von 15% erzielte. Der National Pension Service (NPS), der drittgrößte Pensionsfonds der Welt, verwaltete Ende Dezember Vermögenswerte im Wert von 1.213 Billionen Won (etwa 834 Milliarden Dollar).

Indien als Lichtblick: Wachstumsaussichten bleiben stabil

Während viele Volkswirtschaften mit Gegenwind kämpfen, zeigt sich Indien vergleichsweise robust. Die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens dürfte im Zeitraum Oktober bis Dezember um 6,3% gewachsen sein, nach 5,4% im Vorquartal. Die Besserung wird auf eine Belebung der ländlichen Nachfrage und gestiegene staatliche Investitionsausgaben zurückgeführt.

„Die Verbesserung wird von einer Wiederbelebung der ländlichen Nachfrage und einem Anstieg der Kapitalausgaben der Zentralregierung angeführt“, erläutert Gaura Sen Gupta, Chefökonomin bei IDFC First Bank Economic Research. „Die städtische Nachfrage zeigt ebenfalls Anzeichen einer Verbesserung, aber die Erholung bleibt relativ schwächer als die ländliche Nachfrage.“

Trotz der aktuellen Erholung wird für das kommende Geschäftsjahr 2025-26 ein verhaltenes Wachstum von 6,3% bis 6,8% prognostiziert. Die Deutsche Bank geht von 6,5% aus und merkt an: „Wir glauben, dass das Schlimmste für Indiens Wachstumsverlauf überstanden ist, aber selbst bei einer Verbesserung der Dynamik dürfte das BIP-Wachstum insgesamt unter der potenziellen Wachstumsrate von 7% bleiben.“

Ausblick: Anpassungsstrategien in einer neuen Handelswelt

Während sich die globale Wirtschaft auf eine Ära verschärfter Handelsbarrieren einstellt, entwickeln Länder unterschiedliche Strategien. China setzt auf massive Stimulus-Programme und die Stärkung der Binnennachfrage. Südkorea hat bereits mit Zinssenkungen reagiert und seine Wachstumsprognose für 2025 auf 1,5% gesenkt. Indien hingegen profitiert von seiner relativen Unabhängigkeit von Exportmärkten.

Die Auswirkungen von Trumps Handelspolitik werden jedoch nicht nur an den Export-Statistiken abzulesen sein. Die drohenden Zölle könnten auch die Inflationsbekämpfung erschweren und Zentralbanken weltweit vor neue Herausforderungen stellen. Während die US-Notenbank Fed mindestens zwei Zinssenkungen für dieses Jahr einplant, könnte ein zollbedingter Preisanstieg die geldpolitischen Spielräume einengen.

Für die kommenden Monate werden wirtschaftspolitische Entscheidungen, insbesondere die Ankündigungen auf dem chinesischen Volkskongress am 5. März, entscheidende Signalwirkung haben. Die Fähigkeit der großen Volkswirtschaften, sich an die neue Handelswelt anzupassen, wird maßgeblich über die globalen Wachstumsaussichten für 2025 entscheiden.