Globale Wirtschaftsturbulenzen: Handelskrieg und Wachstumssorgen belasten Märkte

Der Wirtschaftskonflikt zwischen den USA und der EU gefährdet Geschäftsbeziehungen im Billionenwert, während Deutschland mit Stagnation kämpft und Zentralbanken Kurse justieren

6 Min. Lesezeit
Kurz zusammengefasst:
  • US-EU Zollstreit bedroht Wirtschaftsverbindungen
  • Deutsche Konjunkturprognosen drastisch reduziert
  • Milliardenschweres Kredit-Paket als Stabilisierungsversuch
  • Indische Handelsbilanz zeigt positive Entwicklung

Die Weltwirtschaft steht Mitte März 2025 vor erheblichen Herausforderungen, während politische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheiten die globalen Märkte belasten. Die eskalierenden Handelskonflikte zwischen den USA und der Europäischen Union bedrohen transatlantische Geschäftsbeziehungen im Wert von 9,5 Billionen Dollar, während Deutschland mit Wachstumsprognosen von nur 0,2 Prozent für 2025 kämpft. Gleichzeitig versucht die deutsche Politik durch massive Kreditaufnahmen die wirtschaftliche Stabilität zu sichern.

Transatlantische Spannungen bedrohen billionenschwere Wirtschaftsbeziehungen

Die American Chamber of Commerce zur EU (AmCham EU) warnte am Montag eindringlich vor den weitreichenden Konsequenzen des sich verschärfenden Handelskonflikts zwischen den USA und Europa. Laut ihrem aktuellen Bericht stehen Handels- und Investitionsbeziehungen im Wert von 9,5 Billionen Dollar auf dem Spiel. Während der Warenhandel zwischen den USA und Europa einschließlich Großbritannien im vergangenen Jahr 1,3 Billionen Dollar erreichte und der Dienstleistungshandel 750 Milliarden Dollar überstieg, liegt der größere Wert in den gegenseitigen Direktinvestitionen.

„Der Schaden für die Warenhandelsströme ist schlimm genug“, erklärte AmCham EU-Geschäftsführer Malte Lohan. „Das eigentliche Risiko besteht darin, dass die Konflikte auf andere Verbindungen übergreifen.“ Präsident Trump, der sich auf das US-Handelsbilanzdefizit mit Europa von 235,6 Milliarden Dollar im Vorjahr fokussiert, hat kürzlich globale Zölle von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte verhängt und droht mit weiteren Abgaben auf europäische Autos, Pharmazeutika und andere Waren.

Als Reaktion auf europäische Gegenzölle von bis zu 50 Prozent auf US-Produkte wie Whiskey drohte Trump mit 200-prozentigen Zöllen auf französischen Champagner und andere europäische alkoholische Getränke. Branchenvertreter warnen, dass solche drastischen Maßnahmen europäische Weinproduzenten effektiv vom US-Markt abschneiden könnten.

Deutschlands Wirtschaft stagniert – Ifo senkt Prognose deutlich

Inmitten dieser globalen Spannungen hat das deutsche Ifo-Institut am Montag seine Wachstumsprognose für Europas größte Volkswirtschaft drastisch auf nur noch 0,2 Prozent für das laufende Jahr 2025 gesenkt. Als Gründe werden die gedämpfte Verbraucherstimmung und die Zurückhaltung der Unternehmen bei Investitionen genannt. Für das kommende Jahr rechnet das Institut mit einer leichten Erholung auf 0,8 Prozent Wachstum.

„Die deutsche Wirtschaft steckt fest. Trotz einer Erholung der Kaufkraft bleibt die Verbraucherstimmung verhalten, und Unternehmen sind ebenfalls zurückhaltend bei Investitionen“, erklärte Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen. Deutschland ist das einzige Land der G7-Industriestaaten, das in den vergangenen zwei Jahren eine wirtschaftliche Kontraktion verzeichnete. Die Industrie kämpft besonders mit schwacher Nachfrage und zunehmender internationaler Konkurrenz, zusätzlich belastet durch erhebliche politische Unsicherheiten in den USA.

Das Ifo-Institut warnt zudem, dass die deutsche Exportwirtschaft besonders hart von möglichen US-Zollerhöhungen auf europäische Produkte getroffen werden könnte. Die jüngste Prognose wurde am vergangenen Donnerstag abgeschlossen – einen Tag bevor der designierte deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz die entscheidende Unterstützung für eine massive Erhöhung der staatlichen Kreditaufnahme sicherte.

Hoffnung auf Stabilisierung durch massive Kreditprogramme

Das deutsche Wirtschaftsministerium räumte in seinem Monatsbericht vom Montag ein, dass die wirtschaftliche Schwäche bis in den Beginn des Jahres 2025 angehalten hat. Dennoch könnten die Finanzpläne der künftigen Regierungskoalition zu einer Stabilisierung der Erwartungen beitragen und mehr Planungssicherheit für private Haushalte und die Wirtschaft schaffen.

Der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte vergangene Woche, er habe die entscheidende Unterstützung der Grünen für eine massive Erhöhung der staatlichen Kreditaufnahme erhalten. Dies ebnet den Weg für die Zustimmung des scheidenden Parlaments zu diesem historischen Abkommen in dieser Woche. Merz‘ Konservative und die Sozialdemokraten, die nach der Wahl im letzten Monat über eine Regierungsbildung verhandeln, haben einen 500-Milliarden-Euro-Fonds (544 Milliarden Dollar) für Infrastruktur und umfassende Änderungen der Kreditaufnahmeregeln vorgeschlagen, um die Verteidigung zu stärken und das Wachstum in Europas größter Volkswirtschaft anzukurbeln.

Indiens Handelsbilanz überrascht positiv

Während Europa und die USA mit wirtschaftlichen Herausforderungen kämpfen, meldet Indien überraschend positive Wirtschaftsdaten. Das Handelsdefizit Indiens lag im Februar bei 14,05 Milliarden Dollar und damit deutlich unter den Erwartungen der Ökonomen von 21,65 Milliarden Dollar, wie Regierungsdaten am Montag zeigten.

Die Warenexporte stiegen auf 36,91 Milliarden Dollar im Februar gegenüber 36,43 Milliarden Dollar im Januar, während die Importe auf 50,96 Milliarden Dollar sanken, verglichen mit 59,42 Milliarden Dollar im Vormonat. Die Dienstleistungsexporte wurden im Februar auf 35,03 Milliarden Dollar geschätzt, die Importe auf 16,55 Milliarden Dollar, gegenüber 38,55 Milliarden bzw. 18,22 Milliarden Dollar im Januar.

Zentralbanken im Fokus: Fed-Entscheidung mit Spannung erwartet

Die kommende Woche ist vollgepackt mit Zentralbankentscheidungen, allen voran die der US-Notenbank Federal Reserve. Angesichts zunehmend volatiler Märkte wird die Fed-Sitzung am Mittwoch entscheidend dafür sein, ob die Zentralbank bereit ist, ihren Zinssenkungszyklus in den kommenden Monaten wieder aufzunehmen.

Es wird erwartet, dass die Fed die Zinsen zunächst unverändert lässt, weshalb Investoren sich auf Hinweise konzentrieren werden, wann die nächste Senkung erfolgen könnte. Fed-Funds-Futures deuten darauf hin, dass Juni der entscheidende Zeitpunkt sein könnte, mit fast drei eingepreisten Zinssenkungen für das Jahr 2025. Die Wetten auf Zinssenkungen sind gestiegen, da die Sorgen über die wirtschaftlichen Wachstumsaussichten zunehmen, verschärft durch die Unsicherheit im Zusammenhang mit Trumps Zollpolitik.

Die Argumente für Zinssenkungen wurden durch den jüngsten verhaltenen Verbraucherpreisindex etwas gestärkt. Allerdings muss die Fed gleichzeitig die potenziellen Auswirkungen neuer Importzölle auf die Inflation abwägen, was zu weit verbreiteter Unsicherheit bei Unternehmen und Verbrauchern führt.

Auch andere Zentralbanken treffen diese Woche wichtige Entscheidungen. Die Bank of England, die Schweizerische Nationalbank und die schwedische Riksbank werden ebenfalls tagen. Es wird erwartet, dass die Riksbank am Donnerstag die Zinsen unverändert lässt – bemerkenswert, da dies wahrscheinlich das Ende des Lockerungszyklus in Schweden markiert, der zu den aggressivsten der entwickelten Märkte gehörte.

Ausblick: Politische Entscheidungen werden 2025 prägen

Die globalen Wirtschaftsaussichten für 2025 werden maßgeblich von politischen Entscheidungen abhängen. Die drohende Eskalation der Handelskonflikte zwischen den USA und Europa, Deutschlands Bemühungen um wirtschaftliche Stabilisierung durch massive staatliche Ausgabenprogramme und die vorsichtige Geldpolitik der Zentralbanken weltweit werden die Märkte in den kommenden Monaten prägen.

Dan Hamilton, Mitautor des AmCham EU-Berichts, warnt, dass die EU als Vergeltung für US-Zölle den amerikanischen Dienstleistungssektor ins Visier nehmen könnte – einen Bereich, in dem die USA einen Handelsüberschuss verzeichnen. Die Zölle könnten zudem Lieferketten stören, indem sie es europäischen Unternehmen erschweren, Teile an ihre US-Tochtergesellschaften zu senden oder amerikanischen Unternehmen den Export fertiger Waren zu erschweren.

Während die Weltwirtschaft mit diesen Herausforderungen kämpft, bleibt abzuwarten, ob die politischen Entscheidungsträger in der Lage sein werden, einen konstruktiven Dialog zu führen, um die wirtschaftliche Stabilität zu wahren und das globale Wachstum zu fördern.