Kurz zusammengefasst:
  • PMI-Anstieg signalisiert britische Wirtschaftserholung
  • Trump-Zollpläne verunsichern Fertigungsindustrie
  • Eurozone verzeichnet moderates Wirtschaftswachstum
  • Chinas Rohstoffeinkäufe treiben Kobaltpreise

Die britische Wirtschaft zeigt im März 2025 erste Anzeichen einer Erholung nach monatelanger Stagnation. Der S&P Global Purchasing Managers‘ Index (PMI) für Großbritannien stieg auf den höchsten Stand seit sechs Monaten und erreichte 52,0 Punkte, ein deutlicher Anstieg gegenüber 50,5 im Vormonat. Besonders der Dienstleistungssektor trieb diese Entwicklung mit einem Sieben-Monats-Hoch von 53,2 Punkten voran, während die Fertigungsindustrie unter dem Druck globaler Handelsunsicherheiten weiter litt.

Britische Wirtschaft ringt um Stabilität

Trotz positiver Signale aus dem Dienstleistungssektor steht das Vereinigte Königreich vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Chris Williamson, Chefökonom bei S&P Global Market Intelligence, prognostiziert für das erste Quartal 2025 lediglich ein marginales Wachstum von 0,1 Prozent. „Das Vertrauen liegt immer noch nahe am Zweijahrestief vom Januar“, erklärte Williamson. Die Verbesserung werde „nur von kleinen Wachstumsnischen getragen, insbesondere im Finanzdienstleistungssektor, während konsumentenorientierte Unternehmen und Hersteller weiterhin mit Gegenwind im In- und Ausland kämpfen.“

Besonders besorgniserregend entwickelt sich der Industriesektor: Der britische Fertigungs-PMI sank auf ein 18-Monats-Tief von 44,6, verglichen mit 46,9 im Februar. Die Exportverkäufe im verarbeitenden Gewerbe verzeichneten den stärksten Rückgang seit August 2023 – ein deutliches Zeichen für die zunehmenden Spannungen im globalen Handel.

Tarif-Drohungen und globale Handelsunsicherheit

Ein wesentlicher Faktor für die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe sind die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zölle. Die angespannte Handelssituation hat bereits messbaren Einfluss auf die britische Wirtschaft; der Indikator für zukünftige Produktion im Fertigungssektor verzeichnete den stärksten Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2012 – mit Ausnahme des ersten COVID-19-Lockdowns im März 2020.

Allerdings könnten die für den 2. April angekündigten US-Zölle möglicherweise gezielter ausfallen als zunächst befürchtet. Laut Bloomberg News erwägt Trump, bestimmte Länder oder Handelsblöcke von den Maßnahmen auszunehmen – insbesondere jene, die keine Zölle gegen die USA erheben und mit denen die USA einen Handelsüberschuss haben. Trotzdem warnen Analysten von Vital Knowledge: „Gezielte Zölle sind offensichtlich besser als die Alternative, aber die geplanten Handelsveränderungen sind dennoch erheblich und werden wahrscheinlich negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und Unternehmensgewinne haben, zumindest kurz- und mittelfristig.“

Eurozone verzeichnet moderates Wachstum

Während Großbritannien mit gemischten Signalen kämpft, zeigt die Eurozone insgesamt ein positives Bild. Der vorläufige zusammengesetzte PMI der Eurozone stieg im März auf 50,4 – das schnellste Wachstum der Geschäftstätigkeit seit sieben Monaten. Dennoch blieb dieser Wert hinter den Erwartungen von Analysten zurück, die einen Anstieg auf 50,8 prognostiziert hatten.

Die unterschiedliche Entwicklung zwischen Großbritannien und der Eurozone spiegelt die komplexe wirtschaftliche Landschaft wider, die durch politische Unsicherheiten und drohende Handelskriege geprägt ist.

Rohstoffmärkte reagieren auf globale Spannungen

Währenddessen zeigen sich deutliche Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf den Rohstoffmärkten. Kobaltfuture in China verzeichneten am Montag einen Preissprung von über 9 Prozent. Seit Februar sind die Preise an der Wuxi Stainless Steel Exchange um beeindruckende 55 Prozent gestiegen. Treiber dieser Entwicklung sind Chinas strategische Rohstoffeinkäufe sowie die mögliche Verlängerung eines Exportverbots aus der Demokratischen Republik Kongo, dem weltgrößten Kobaltproduzenten.

Die chinesische Nationalverwaltung für Lebensmittel und strategische Reserven, die für die offiziellen Rohstoffvorräte des Landes zuständig ist, hat Preisanfragen und Gebote für Metalle wie Kobalt, Kupfer, Nickel und Lithium gestellt. Diese Maßnahmen kommen zu einem Zeitpunkt, da China angesichts drohender US-Zölle verstärkt ausländische Investitionen umwirbt und Maßnahmen zur Stimulierung des Binnenkonsums einführt.

Zentralbanken navigieren durch unsichere Zeiten

In diesem komplexen wirtschaftlichen Umfeld spielen die Zentralbanken weltweit eine entscheidende Rolle. Die britische Finanzministerin Rachel Reeves steht vor schwierigen Entscheidungen, insbesondere angesichts ihrer für Mittwoch erwarteten Rede zur Wirtschaft und zu den öffentlichen Finanzen. Es wird erwartet, dass sie eine deutliche Herabstufung der Wirtschaftswachstumsprognosen für dieses Jahr bekannt geben muss, was sie zwingen könnte, ihre Pläne für Ausgabenerhöhungen in den kommenden Jahren zu reduzieren.

Gleichzeitig bleibt die Bank of England wachsam hinsichtlich der Auswirkungen der von Reeves im Oktober angekündigten Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber. Die Zentralbank hat vergangene Woche davor gewarnt, dass sie möglicherweise ihre seit Oktober praktizierte Routine einer vierteljährlichen Zinssenkung aussetzen könnte.

In China kündigte die Zentralbank unterdessen an, am Dienstag einjährige mittelfristige Kreditfazilitäten (MLF) im Wert von 450 Milliarden Yuan (62,03 Milliarden US-Dollar) auszugeben. Ab diesem Monat werden MLF-Operationen mithilfe eines Verfahrens mit fester Menge, Zinsgeboten und Mehrpreisgeboten durchgeführt – ein weiteres Zeichen für die Bemühungen der Volksrepublik, ihre Wirtschaft zu stabilisieren.

Ausblick: Politische Entscheidungen prägen Märkte

Die kommenden Wochen werden entscheidend für die globalen Märkte sein. Am 2. April steht Donald Trumps „Liberation Day“-Ankündigung zu den US-Zöllen an, die erhebliche Auswirkungen auf den Welthandel haben könnte. Gleichzeitig laufen Gespräche zwischen US-amerikanischen und russischen Vertretern in Saudi-Arabien, die auf einen möglichen Waffenstillstand im Ukraine-Konflikt abzielen – ein wichtiger geopolitischer Faktor für die Stabilität auf den Weltmärkten.

In Kanada hat Premierminister Mark Carney für den 28. April Neuwahlen ausgerufen und argumentiert, dass das Land angesichts der Bedrohungen durch Trump eine starke Führung benötige. Die Spannungen zwischen Kanada und seinem südlichen Nachbarn haben sich verschärft, seitdem Trump ins Weiße Haus zurückgekehrt ist.

In Deutschland bleibt der Emissionsplan für das zweite Quartal 2025 unverändert gegenüber der Dezemberprognose, obwohl eine grundlegende Änderung der Fiskalpolitik erwartet wird. Deutschland plant, in diesem Jahr Wertpapiere im Wert von rund 380 Milliarden Euro auszugeben – das niedrigste Niveau seit 2019.

Angesichts der globalen Unsicherheiten und politischen Entscheidungen werden die Finanzmärkte in den kommenden Wochen mit besonderer Aufmerksamkeit auf wirtschaftliche Daten und politische Signale achten, um die künftige Richtung der Weltwirtschaft besser einschätzen zu können.