Globale Finanzwelt im Umbruch: Trumps Zollpläne und WHO-Kürzungen erschüttern Märkte

Geplante US-Handelszölle, WHO-Finanzierungsprobleme und europäische Spannungen sorgen für Verunsicherung an den internationalen Finanzmärkten.

Kurz zusammengefasst:
  • Handelskonflikt durch US-Zollpolitik droht
  • WHO reduziert Personal wegen Finanzierungsmangel
  • Politische Unruhen beeinflussen Märkte
  • Bankensektor erlebt Konsolidierungswelle

In wenigen Tagen könnte sich die Landschaft der globalen Wirtschaft grundlegend verändern. Während US-Präsident Donald Trump für den 2. April weitreichende Zollmaßnahmen ankündigt, kämpft die Weltgesundheitsorganisation gegen massive Budgetkürzungen, und in Europa sorgen politische Spannungen für Unruhe an den Finanzmärkten. Diese Entwicklungen haben bereits jetzt erhebliche Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte.

Trumps Zolloffensive verunsichert globale Märkte

Die Trump-Administration bereitet sich auf eine signifikante Eskalation im globalen Handelskrieg vor. Wie aus Berichten der Washington Post hervorgeht, drängt der US-Präsident seine Berater zu einer aggressiveren Haltung in der Zollpolitik, trotz Bedenken von Verbündeten an der Wall Street und im Kapitol. Trump hat in den letzten Wochen wiederholt geäußert, dass er seine erste Amtszeit bedauert, keine umfassenderen Zölle implementiert zu haben, und gibt seinen damaligen Beratern die Schuld dafür, ihn von weitreichenderen Maßnahmen abgehalten zu haben.

Besonders im Fokus steht dabei die Mehrwertsteuer (VAT), die Trump als unfaires Handelsinstrument betrachtet. In einem Memorandum bezeichnete er die in über 170 Ländern angewandte VAT als „unfaire, diskriminierende oder extraterritoriale Steuern“, die amerikanischen Verbrauchern, Unternehmen und Arbeitnehmern auferlegt werden. Die USA gehören zu den wenigen Ländern weltweit, die stattdessen einphasige Verkaufssteuern erheben.

Analysten von Wolfe Research warnen vor den wirtschaftlichen Folgen: Sollte Trump Vergeltungszölle einführen, die auch die Mehrwertsteuer ausgleichen sollen, könnte dies zu einem BIP-Rückgang von 1,40% und einem Inflationsschock von 1,36% führen. Bei Gegenmaßnahmen der Handelspartner könnte der wirtschaftliche Schaden sogar auf 1,72% des BIP anwachsen.

WHO unter Druck: Massive Budgetkürzungen und Stellenabbau

Gleichzeitig kämpft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit den Auswirkungen des US-Rückzugs. Laut einem internen Memo vom 28. März plant die Organisation, ihre Belegschaft zu reduzieren und den Umfang ihrer Arbeit zu verringern, da sie gezwungen ist, ihr Budget für 2026-27 um mehr als ein Fünftel zu kürzen – von 5,3 Milliarden US-Dollar auf 4,2 Milliarden US-Dollar.

„Trotz unserer besten Bemühungen sind wir jetzt an dem Punkt angelangt, an dem wir keine andere Wahl haben, als den Umfang unserer Arbeit und unserer Belegschaft zu reduzieren“, heißt es in dem von WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus unterzeichneten Memo. Die USA waren bisher der mit Abstand größte Geldgeber der WHO und trugen etwa 18% zur Gesamtfinanzierung bei.

Die Finanzierungskrise wird durch die Entscheidung mehrerer Länder verschärft, ihre Entwicklungshilfe zu reduzieren, um erhöhte Verteidigungsausgaben zu finanzieren. In diesem Jahr steht die WHO vor einer Einkommenslücke von fast 600 Millionen US-Dollar. Besonders betroffen sind Führungspositionen am Hauptsitz in Genf, aber auch alle anderen Ebenen und Regionen werden von den Kürzungen nicht verschont bleiben.

Politische Spannungen in Europa belasten Finanzmärkte

In Europa sorgen derweil politische Unruhen für Verunsicherung. In Istanbul protestieren Hunderttausende gegen die Inhaftierung des Bürgermeisters Ekrem Imamoglu, der als Hauptrivale von Präsident Recep Tayyip Erdogan gilt. Die Oppositionspartei CHP und andere oppositionelle Gruppen, Menschenrechtsorganisationen sowie westliche Mächte bezeichnen den Fall gegen Imamoglu als politisch motivierten Versuch, einen potenziellen Wahlgegner Erdogans zu eliminieren.

Die Proteste, die als die größten Demonstrationen in der Türkei seit über einem Jahrzehnt gelten, haben bereits erhebliche Auswirkungen auf die türkischen Finanzmärkte: Seit Imamoglus Festnahme sind die türkischen Finanzanlagen eingebrochen, was die Zentralbank dazu zwang, ihre Reserven einzusetzen, um die Lira zu stützen. Die Turbulenzen haben Schockwellen durch den privaten Sektor geschickt.

Bankenkonsolidierung in Italien schreitet voran

Im europäischen Bankensektor zeichnet sich derweil eine bedeutende Konsolidierung ab. UniCredit, Italiens zweitgrößte Bank, hat von der Europäischen Zentralbank die Genehmigung für ihr 14-Milliarden-Euro-Übernahmeangebot für den kleineren Konkurrenten Banco BPM erhalten. Dies ist nur eines von mehreren feindlichen Übernahmeangeboten, die den italienischen Bankensektor erschüttern, der nach der schmerzhaften Bereinigung in den Krisenjahren 2008-2012 nun dank hoher Zinssätze Rekordgewinne verzeichnet.

UniCredit-CEO Andrea Orcel, ein erfahrener Deal-Maker, der auch Beteiligungen an der deutschen Commerzbank und dem italienischen Versicherer Generali aufgebaut hat, betonte wiederholt, dass er die Renditen der Aktionäre nicht gefährden werde, um einen Zusammenschluss zu verfolgen. Die Bank wird voraussichtlich in den kommenden Tagen von der italienischen Marktaufsicht Consob die Genehmigung für das Angebotsdokument erhalten, den letzten Schritt vor dem Start des Übernahmeangebots.

Städte im Wandel: Berlins wirtschaftlicher Aufstieg

Während die internationale Finanzwelt von Unsicherheiten geprägt ist, zeigt sich in Berlin ein bemerkenswerter wirtschaftlicher Aufschwung. Die deutsche Hauptstadt, die lange Zeit als „arm aber sexy“ galt, übertrifft inzwischen das Wirtschaftswachstum des Gesamtlandes deutlich. Im vergangenen Jahr wuchs Berlins Wirtschaft um 0,8%, während die nationale Wirtschaft zum zweiten Mal in Folge schrumpfte.

„Berlin war nicht wohlhabend, aber das wurde zur Grundlage, um reicher zu werden: Berlin zog junge Talente an, die hierher kamen, um ihr Leben neu zu gestalten und ihre Ideen zu verwirklichen“, erklärt Martin Gornig, Forscher am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin. Die Stadt hat sich zur Start-up-Hauptstadt Deutschlands entwickelt und übertrifft München mit jährlich rund 500 Neugründungen.

Doch der wirtschaftliche Erfolg hat seinen Preis: Steigende Kosten bedrohen die Existenzgrundlage von Künstlern und Bohemiens, die nach dem Fall der Berliner Mauer hierher strömten, angezogen von niedrigen Mieten und vielen verlassenen Gebäuden. Die Mieten in Berlin sind seit 2021 um etwa 32% gestiegen, deutlich über dem nationalen Durchschnitt von 20%.

Ausblick: Zunehmende globale Unsicherheit

Während der 2. April – von Trump als „Tag der Befreiung“ bezeichnet – näher rückt, bereiten sich die globalen Finanzmärkte auf mögliche Schockwellen vor. Die Kombination aus amerikanischem Protektionismus, institutionellen Finanzierungskrisen wie bei der WHO und politischen Spannungen in wichtigen Wirtschaftsregionen schafft ein Umfeld zunehmender Unsicherheit.

Finanzexperten raten Anlegern zu diversifizierten Portfolios und erhöhter Wachsamkeit. Die kommenden Wochen könnten entscheidend sein für die mittel- und langfristige Entwicklung der globalen Wirtschaft, während die Welt gespannt auf Trumps angekündigte Handelspolitik wartet und deren Auswirkungen auf den bereits fragilen globalen Wirtschaftsaufschwung.