Globale Finanzmärkte unter Druck: Trump-Effekt trifft auf gemischte Wirtschaftssignale

Weltweite Börsen zeigen Nervosität angesichts US-Rohstoffstrategie und wandelnder Währungsdynamik, während asiatisch-pazifische Volkswirtschaften gemischte Signale senden.

Kurz zusammengefasst:
  • US-Mineralstrategie erschüttert Handelsmärkte
  • Yen statt Dollar als Krisenanlage
  • Australier optimistischer nach Zinssenkung
  • Chinas anhaltender Kampf gegen Deflation

Die internationalen Finanzmärkte zeigen Mitte März 2025 zunehmend Anzeichen von Nervosität, während US-Präsident Donald Trump seine protektionistische Wirtschaftspolitik weiter vorantreibt. Die Ankündigung, kritische Mineralienraffinerien auf Militärbasen zu errichten und einen „Minerals Czar“ zu ernennen, ist nur der jüngste Schritt in einer Reihe von Maßnahmen, die globale Handelsströme und Währungsmärkte in Aufruhr versetzen.

Trumps Rohstoffstrategie verunsichert Märkte

Der US-Präsident plant laut Reuters, bereits in dieser Woche per Exekutivanordnung den Bau von Metallraffinerien auf Pentagon-Militärstützpunkten anzukündigen. Diese Maßnahme unterstreicht die strategische Bedeutung kritischer Mineralien, die in Verteidigungsanwendungen eingesetzt werden. Durch die Ernennung eines „Minerals Czar“ will Trump die Abhängigkeit von chinesischen Importen reduzieren – ein weiterer Schritt in der sich verschärfenden Handelskonfrontation zwischen den USA und China.

„Die Standortwahl auf Verteidigungsgelände verdeutlicht die sicherheitspolitische Dimension dieser Rohstoffe“, kommentiert ein Marktanalyst. China, als weltweit größter Produzent und Verarbeiter kritischer Mineralien und Seltenerdmetalle, hatte seine Dominanz bereits im Handelskrieg als Druckmittel eingesetzt und Exportkontrollen für bestimmte Materialien als Reaktion auf erhöhte Handelszölle unter Trump eingeführt.

Die Ankündigung verschärft die Marktvolatilität zusätzlich, nachdem die Technologiebörse Nasdaq am Vortag um 4% eingebrochen war und der S&P 500 2,7% verlor. Auslöser war ein Fox-News-Interview, in dem Trump von einer „Übergangsphase“ sprach und sich weigerte vorherzusagen, ob seine Zölle gegen China, Kanada und Mexiko zu einer US-Rezession führen könnten.

Währungsmärkte im Umbruch: Yen als neuer sicherer Hafen

An den Devisenmärkten zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung: Der japanische Yen erreichte ein Fünf-Monats-Hoch von 146,625 pro Dollar und übernimmt zunehmend die Rolle des sicheren Hafens – eine Funktion, die traditionell dem US-Dollar zukam.

„Historisch gesehen übertrifft der Dollar andere Währungen bei steigender Volatilität, aber wenn die US-Wirtschaft und der US-Aktienmarkt im Zentrum der Bedenken stehen, begrenzt dies die Attraktivität des Dollars“, erklärt Chris Weston, Forschungsleiter beim Broker Pepperstone in Melbourne.

Der Dollar-Index hatte bereits in der Vorwoche den größten Wochenrückgang seit mehr als zwei Jahren verzeichnet, während der Euro durch deutsche Pläne zur Reform der Schuldenbremse Auftrieb erhielt. Parallel dazu verkleinerte sich binnen einer Woche der Renditeunterschied zwischen 10-jährigen US- und deutschen Staatsanleihen um 33 Basispunkte, während die Differenz zwischen US- und japanischen Renditen um 17 Basispunkte schrumpfte.

Die Turbulenzen könnten sich jedoch noch verstärken: Im US-Kongress steht eine knappe Abstimmung zur Vermeidung eines teilweisen Regierungsstillstands bevor. Das republikanisch kontrollierte Repräsentantenhaus hat für Dienstag eine Abstimmung angesetzt, um die Finanzierung der Regierung über den Freitag hinaus zu sichern.

Gemischte Konjunktursignale aus der Asien-Pazifik-Region

Während die Finanzmärkte unter dem Trump-Effekt ächzen, zeigen sich in der Asien-Pazifik-Region gemischte Konjunktursignale. Australiens Verbraucher atmen nach der ersten Zinssenkung seit der COVID-19-Pandemie vorsichtig auf. Der Westpac-Melbourne-Institute-Index für Verbraucherstimmung stieg im März um 4% auf 95,9 Punkte – den höchsten Stand seit drei Jahren.

„Die Februar-Entscheidung der RBA hat das Vertrauen gestärkt, dass die Zinsen weiter sinken werden“, erläutert Matthew Hassan, Leiter der australischen Makro-Prognose bei Westpac. „Die Verbraucher werden zuversichtlicher bezüglich des Arbeitsmarktes, die Erwartungen deuten darauf hin, dass eine ‚weiche Landung‘ bereits erreicht wurde.“

Dennoch bleibt der Stimmungsindex unter 100 Punkten, was bedeutet, dass Pessimisten noch immer in der Überzahl sind. Dämpfend wirken Befürchtungen über weitere Handelszölle unter Trump, der eskalierende Handelskrieg, die Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums und die geopolitische Unsicherheit zwischen Russland und der Ukraine.

Die australische Geschäftswelt zeigt sich trotz der jüngsten Zinssenkung durch die Zentralbank ebenfalls zurückhaltend. Der NAB-Index für Geschäftsbedingungen stieg im Februar um einen Punkt auf +4, blieb jedoch unter den langfristigen Durchschnittswerten, während das Vertrauensbarometer sogar um 6 Punkte auf -1 fiel.

„Der im Januar beobachtete Anstieg des Vertrauens hat sich im Februar nicht fortgesetzt und liegt nun wieder deutlich unter dem Durchschnitt“, stellt Alan Oster, Chefökonom bei NAB, fest. „Dies trotz der Verbesserung der BIP-Daten im vierten Quartal und der ersten Zinssenkung der RBA, was darauf hindeutet, dass Unternehmen weiterhin vorsichtig bezüglich der Aussichten sind.“

Japan kämpft mit schwächerem Wachstum

Auch aus Japan kommen durchwachsene Wirtschaftsdaten. Die Regierung korrigierte das BIP-Wachstum für das vierte Quartal 2024 nach unten auf annualisierte 2,2% gegenüber den zunächst gemeldeten 2,8%. Auf Quartalsbasis entspricht dies einem preisbereinigten Wachstum von 0,6% statt der ursprünglich gemeldeten 0,7%.

Die privaten Konsumausgaben, die mehr als die Hälfte der Wirtschaftsaktivität ausmachen, blieben unverändert gegenüber der vorläufigen Schätzung eines Anstiegs um 0,1%. Separate Daten des Innenministeriums zeigten, dass die Haushaltsausgaben im Januar im Jahresvergleich um 0,8% stiegen, weit unter der Marktschätzung von 3,6%.

Die Bank of Japan hatte im Januar die kurzfristigen Zinssätze auf den höchsten Stand seit 17 Jahren angehoben. Die Wachstumsdynamik in der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt wird ein Schlüsselfaktor für die Geschwindigkeit weiterer geldpolitischer Straffungen sein.

Deflationsdruck in China verschärft sich

Während einige Volkswirtschaften mit Zinssenkungen experimentieren, kämpft China mit einem ganz anderen Problem: einer hartnäckigen Deflation. Der chinesische Verbraucherpreisindex fiel im Februar um 0,7% im Jahresvergleich und verfehlte damit die Erwartungen, während die Erzeugerpreise um 2,2% sanken und damit die seit September 2022 anhaltende Negativserie fortsetzten.

„Die Unternehmensstrategien scheinen oft den Marktanteil anstelle von Gewinnen zu priorisieren“, erklärt Louis Kuijs, Chefökonom für Asien bei S&P Global Ratings. „Das kann die Situation für alle in diesem Sektor wirklich komplizieren, indem es die Preise nach unten treibt, egal ob man Gewinne macht oder nicht.“

Die Auswirkungen der Deflation zeigen sich im Alltag: Intensiver Preiswettbewerb führt zu extremen Rabatten, wie beispielsweise in einem Pekinger Einzelhandelsgeschäft, das viermal täglich Blitzverkäufe durchführt. „Wir machen Blitzverkäufe, um den Bestandsdruck zu reduzieren“, sagt Leo Liu, Manager des umfangreichen Wankelai-Geschäfts. „Wir betreiben ein Geschäftsmodell mit geringen Gewinnen und schnellem Umschlag.“

Ausblick bleibt unsicher

Die kommenden Monate versprechen weitere Unsicherheit für die globalen Finanzmärkte. Die Entscheidung des US-Repräsentantenhauses über die Regierungsfinanzierung könnte kurzfristig für neue Turbulenzen sorgen, während die langfristigen Auswirkungen von Trumps Rohstoffstrategie und Handelspolitik noch nicht absehbar sind.

In Australien rechnen die Märkte mit weiteren Zinssenkungen, wobei ein Schritt im Mai zu etwa 80% eingepreist ist. Bis zum Jahresende könnten die Zinsen auf 3,5% sinken. Japan steht dagegen vor der Herausforderung, sein Wachstum zu stärken, während China weiterhin nach Wegen sucht, die Deflation zu bekämpfen und den Binnenkonsum anzukurbeln.

Für Anleger bleibt die Lage komplex: Der traditionelle sichere Hafen US-Dollar verliert an Attraktivität, während der japanische Yen an Stärke gewinnt. In diesem Umfeld könnten auch Rohstoffmärkte, insbesondere für kritische Mineralien und Seltene Erden, verstärkte Aufmerksamkeit erfahren – mit potenziellen Gewinnern wie dem australischen Produzenten Lynas Rare Earths Ltd, dessen Aktie bereits 2025 von Versorgungsengpassängsten profitierte.