Fed hält Zinssatz stabil: Globale Notenbanken werden vorsichtiger
Internationale Währungshüter zeigen Zurückhaltung bei Zinssenkungen angesichts handelspolitischer Spannungen, während die US-Wirtschaft gemischte Konjunktursignale sendet.

- Notenbanken weltweit auf vorsichtigem Kurs
- US-Immobilienmarkt überrascht positiv
- Handelskonflikte beeinflussen Zentralbankentscheidungen
- Arbeitsmarkt bleibt trotz Unsicherheiten robust
In einer Welt wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten haben führende Zentralbanken ihre vorsichtige Haltung bei Zinssenkungen verstärkt. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) entschied am Mittwoch, den Leitzins unverändert im Bereich von 4,25% bis 4,50% zu belassen, signalisierte jedoch weiterhin die Möglichkeit von zwei Zinssenkungen bis zum Jahresende.
„Es ist wirklich schwer zu wissen, wie das alles ausgehen wird“, äußerte sich Fed-Chef Jerome Powell nach der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses. Die zunehmenden Unsicherheiten durch die Handelspolitik der Trump-Administration stellen die Zentralbanken weltweit vor komplexe Herausforderungen.
Globaler Trend zur Vorsicht bei Zinssenkungen
Von fünf großen Zentralbanken, die diese Woche tagten, entschied sich nur die Schweizerische Nationalbank (SNB) für eine Zinssenkung. Dies markiert einen deutlichen Wandel in der Geldpolitik der entwickelten Volkswirtschaften. Während einige Notenbanken bereits Lockerungszyklen eingeleitet haben, bremsen andere angesichts politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten.
Die südafrikanische Zentralbank hielt ihren Leitzins am Donnerstag bei 7,50%, nachdem sie in den vorangegangenen drei Sitzungen Zinssenkungen vorgenommen hatte. Die Entscheidung fiel mit vier zu zwei Stimmen für eine unveränderte Haltung aus. „Angesichts globaler und inländischer Unsicherheiten ist ein vorsichtiger geldpolitischer Ansatz geboten“, begründete die Notenbank ihren Schritt, obwohl die Inflation mit 3,2% im Februar nahe der Untergrenze ihres Zielkorridors von 3-6% liegt.
Die Bank of England ließ ebenfalls ihren Leitzins bei 4,5% und erklärte, dass sie die Entwicklung der globalen und heimischen Wirtschaft „sehr genau“ beobachten werde, bevor weitere Schritte unternommen werden.
US-Wirtschaft zeigt gemischte Signale
Die US-Wirtschaft präsentiert sich trotz der Unsicherheiten weiterhin widerstandsfähig. Der Immobilienmarkt überraschte im Februar positiv: Der Verkauf bestehender Häuser stieg unerwartet um 4,2% auf eine saisonbereinigte Jahresrate von 4,26 Millionen Einheiten. Ökonomen hatten einen Rückgang auf 3,95 Millionen Einheiten prognostiziert.
„Hauskäufer betreten langsam den Markt“, erklärte Lawrence Yun, Chefökonom der National Association of Realtors. „Die Hypothekenzinsen haben sich nicht wesentlich verändert, aber mehr Bestand und Auswahlmöglichkeiten setzen aufgestaute Wohnungsnachfrage frei.“ Der Bestand an bestehenden Häusern erhöhte sich im Februar um 5,1% auf 1,24 Millionen Einheiten – ein Anstieg von 17% gegenüber dem Vorjahr.
Auch der Arbeitsmarkt bleibt stabil. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung stiegen in der Woche bis zum 15. März nur leicht auf 223.000, ein Anzeichen für die anhaltende Widerstandsfähigkeit des US-Arbeitsmarktes. Fed-Chef Powell bezeichnete die Arbeitsmarktbedingungen in den USA als „weitgehend im Gleichgewicht“.
Handelspolitische Spannungen belasten Wirtschaftsausblick
Die Handelspolitik der Trump-Administration sorgt zunehmend für Unsicherheit an den Finanzmärkten. Die Europäische Union verschiebt die Einführung eines 50%-Zolls auf amerikanischen Whiskey bis Mitte April, um Zeit für weitere Handelsgespräche zu gewinnen. Dies steht im Zusammenhang mit weiteren geplanten EU-Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Zölle auf Stahl und Aluminium.
Die EU hat erklärt, dass sie möglicherweise ab dem 1. April Zölle auf US-Waren im Wert von 4,5 Milliarden Euro wieder einführen wird, gefolgt von weiteren Zöllen auf amerikanische Produkte im Wert von 18 Milliarden Euro ab dem 13. April. Als Reaktion drohte US-Präsident Trump mit einem 200%-Zoll auf Champagner und Wein aus Europa.
Die Fed hat ihre Wirtschaftsprognosen angepasst und erwartet nun ein etwas geringeres Wachstum und eine höhere Inflation für das Jahr, zusammen mit einem moderaten Anstieg der Arbeitslosenrate bis 2025. Diese Anpassungen spiegeln die Bedenken über die Auswirkungen der aggressiven Handelspolitik wider.
Marktreaktionen und Ausblick
Die Wall Street reagierte positiv auf die Entscheidung der Fed. Die Hauptindizes verzeichneten am Mittwoch Gewinne: Der S&P 500 stieg um 1%, der technologielastige Nasdaq um 1,4% und der Dow Jones um fast 1%. Dennoch bleibt der S&P 500 im bisherigen Jahresverlauf um 3,5% und der Nasdaq um 8% im Minus – ein Zeichen für die anhaltenden Sorgen über Handelskonflikte und wirtschaftliche Verlangsamung.
„Die potenziellen Abwärtsrisiken für das Wachstum und Aufwärtsrisiken für die Inflation, teilweise durch Zölle und handelspolitische Unsicherheiten, verkomplizieren die geldpolitischen Aussichten“, erklärte Ryan Wang, US-Volkswirt bei der HSBC.
Die Marktteilnehmer rechnen derzeit mit Zinssenkungen von insgesamt 63 Basispunkten durch die Fed in diesem Jahr und sehen eine 60%-ige Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte im Juni. Gleichzeitig erreichte der Goldpreis ein neues Rekordhoch – ein weiteres Anzeichen für anhaltende Anlegersorgen.
Immobilienmarkt als Lichtblick
Der US-Immobilienmarkt bleibt ein Lichtblick in der unsicheren Wirtschaftslage. Der Anstieg der Verkäufe bestehender Häuser im Februar erfolgte trotz rückläufiger Auftragseingänge in den Monaten Dezember und Januar, als der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Festzinshypotheken bei rund 7% lag. Bis Mitte März war der Durchschnittszinssatz auf etwa 6,65% gesunken.
Der Medianpreis für bestehende Häuser stieg im Februar im Jahresvergleich um 3,8% auf 398.400 Dollar – ein Rekord für diesen Monat. Immobilien blieben durchschnittlich 42 Tage auf dem Markt, verglichen mit 38 Tagen im Vorjahr. Der Anteil der Erstkäufer stieg auf 31% der Verkäufe, verglichen mit 26% im Vorjahr, bleibt aber unter der für einen robusten Wohnungsmarkt als notwendig erachteten Quote von 40%.
Während sich die globalen Zentralbanken auf eine neue Ära wirtschaftlicher Unsicherheiten einstellen, bleibt die Reaktion der Finanzmärkte auf die bevorstehenden handelspolitischen Maßnahmen ein entscheidender Faktor für die künftige Geldpolitik. Besonders die am 2. April in Kraft tretenden reziproken und sektoralen Zölle werden von Marktteilnehmern genau beobachtet werden.